Denkanstösse

Heilig Abend …

Eine andere Weihnachtsgeschichte


24. Dezember.  Heute  ist  Heilig  Abend.  Und  wie letztes Jahr, keine einzige Schneeflocke zu sehen. Gott sei  Dank!“  dachte  er.  „Es  war  auch  so  schon  kalt genug.“ Er  wickelte  seinen  Mantel  fester  um  sich. Natürlich könnte er auch in die Missionsstation gehen, aber ihm war heute nicht nach Gesellschaft. Früher war die Welt für ihn noch in Ordnung, er hatte schöne  Weihnachten  erlebt,  mit  seiner  Frau  und seinen Kindern.
Weihnachten  war  jetzt  immer  die  Zeit,  in  der  ihm seine    am  meisten  fehlte.  Zehn  Jahre  war  es jetzt  her.  Sylvester-Party  bei  Freunden  –  sogar  die Kinder waren eingeladen. Eigentlich hatte er gar nicht viel  getrunken,  ein  paar  Gläschen  Sekt  nur.  Aber  es  schneite und die Straßen waren glatt, das Auto geriet ins  Schleudern,  sie  kamen  von  der  Fahrbahn  ab  und knallten gegen einen Baum.
Elisabeth,  Tobias  und  die  kleine  Marie  waren  sofort tot, nur er  hatte  schwer  verletzt,  und  voller Schuldgefühle, überlebt.

Ihn  fröstelte  wieder.  Manchmal  lassen  einen die schwarzen Sheriffs in der U-Bahn Station  übernachten.  Aber  irgendwie  konnte  er  sich  nicht  aufraffen. So blieb er sitzen.

“War da nicht eine Schneeflocke?”  Es  wurde  schon dunkel, wahrscheinlich hatte er sich geirrt.

Und  der  Pastor,  der  Ihn  ab  und  an  im  Krankenhaus besuchte,  erklärte  ihm    dass  er  bei    Gnade  und Vergebung  finden  würde,  er  weinte  viel  und  sie beteten auch zusammen, aber er wollte keine Gnade – er wollte seine Familie zurück.

Nun ja, es kam wie es kommen musste – nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, fing er an zu trinken.  Die  Einsamkeit  und  die  Schuldgefühle erdrückten ihn, er  konnte  es  sich  einfach  nicht verzeihen – niemals – warum seine Frau – warum die Kinder – warum nicht er an ihrer Stelle ???

Alles  was  ihm  wichtig  war  verlor  er  in  dieser  einen Nacht – und der Alkohol tat nun den Rest –  er verlor seinen  Job,  seine  Wohnung,  seine  Freunde.  Ihm  war das alles egal und wenn er genug trank, dann konnte er sogar manchmal seine Schuld vergessen. Nur heute klappte es irgendwie nicht.

“Da! Da glitzert schon wieder etwas!”  Er  sah  auf. Tatsächlich jetzt fing es an zu schneien. Immer dicker und immer dichter fielen die Schneeflocken.

Und wenn es Gott gibt, warum hat er das zugelassen? Seine Frau und die Kinder, sie hatten ihr ganzes Leben noch vor sich –  warum ??

“Hallo! Was machst Du da?” Er blinzelte. Er hatte den Kleinen gar nicht kommen sehen. Wahrscheinlich war er kurz eingenickt. Vor ihm stand ein etwa 6-jähriger blondgelockter Junge, mit einer dicken Pudelmütze. “Hallo!  Und  was  machst  Du  hier?”,  fragte  er  zurück. “Es  ist  schon  spät,  solltest  Du  nicht  am Weihnachtsabend zu Hause sein?” – “Nein, ich war mit meinen  Eltern  in  der  Kirche,  sie  unterhalten  sich  da drüben  mit  Freunden.  Und  warum  bist  Du  nicht  zu Hause?”

Er blickte in das Gesicht des Kindes. Er musste kräftig schlucken: “Ich – ich habe kein zu Hause.” – “Oh! Aber wo willst Du dann schlafen?” – “Nun,  ich  habe  einen warmen Mantel an und wenn es ganz kalt wird, dann gehe ich in die Mission, dort kann ich übernachten.”

“Hast Du dort Familie oder Freunde?” – “Nein, ich habe keine  Familie  und  auch  keine  Freunde.” Ein  Schatten lief  über  das  Gesicht  des  Kindes.  “Oh!  Aber  heute  ist  doch Weihnachten. Und Weihnachten feiert man doch immer  mit  der  Familie  und  Freunden.”  Angestrengt dachte  der  Kleine  nach:  “Wenn  Du  niemanden  hast, dann kann doch ich Dein Freund sein.”

Er musste lächeln. Da stand dieser Knirps und bot ihm seine Freundschaft an, obwohl er ihn gar nicht kannte. “Das ist sehr nett von Dir – Danke.” – “Wie  heißt Du?” fragte der Kleine, “Josef. Und Du?” – “Ich bin der Martin. Vom Josef hat der Pfarrer auch gerade erzählt. Als  der  am  Heiligen  Abend  mit  der  Maria  unterwegs war, da hatten sie auch keinen Platz zum Schlafen.”

“Martin – Komm  wir  gehen  !”  Die  Eltern  sahen ängstlich  herüber.   Was  macht  denn  ihr  Sohn  bei diesem Penner?

“Warte mal, ich komme gleich  wieder”,    sagte  der Junge und lief zu ihnen. “Mama – Du,  der  Mann  hat niemanden mit dem er Weihnachten feiern kann. Und ich  bin  doch  jetzt  sein  Freund  und  er  heißt  Josef, genauso  wie  der  Mann  in  der  Bibel  und  er  ist  ganz alleine  und  es  ist  doch  kalt.  Kann  er  nicht  mit  uns Weihnachten feiern?”
Die  Eltern  sahen  sich  entsetzt  an. “Martin,  mein Schatz.  Wir  können  doch  nicht  einfach  einen wildfremden Mann mit in unsere Wohnung nehmen. Er könnte  ja  auch  ein  böser  Mann  sein”,  meinte die Mutter.

“Nein!  Das ist doch mein Freund! – Ich will auch auf alle meine Weihnachtsgeschenke verzichten.” – “Martin,  das  geht  nun  wirklich  nicht.”,  der  Vater versuchte seinen Sohn an die Hand zu nehmen.  Aber der  Kleine  riss  sich  los  und  stampfte  mit  dem  Fuß. Tränen liefen ihm über’s  Gesicht. “Ihr  seid  genauso doof, wie die Leute in der Bibelgeschichte, die wollten Josef und Maria auch nicht in ihr Haus lassen.”

Der Mann hatte alles beobachtet, nun stand er auf und ging hinüber, er beugte sich zu dem Kind und sagte: “Martin,  Deine  Eltern  haben  vollkommen  recht,  man kann  nicht  jeden  Wildfremden  mitnehmen.  Aber  ich danke  Dir,  dass  Du  mich  zu  Eurem  Weihnachtsfest einladen wolltest. Das ist das schönste Geschenk, das ich seit langem bekommen habe.”
Die  Eltern  blickten  sich  hilflos  an,  da  kam  dem  Vater eine  Idee.   “Gleich  hier  um  die  Ecke  ist  doch  ein Gasthof, die haben auch über Weihnachten offen. Ich finde, wenn es Martins Wunsch ist, mit seinem neuen Freund  Weihnachten  zu  feiern,  dann  sollten  wir  eine Möglichkeit  finden.”  Er  wandte  sich  dem  Mann  zu: “Darf ich Sie also einladen unser Gast zu sein?”
Der  Mann  wollte  schon  den  Kopf  schütteln  und dankend ablehnen, als ihn der Kleine mit strahlenden Augen  an  der  Hand  nahm  und  so  lächelte  er  zurück und  sagte:  “Nun  Ja,  wenn  das  Martins  Wunsch  ist, dann kann ich das nicht abschlagen.

Martin  erzählte  ihm  beim  Essen  noch  viel  von  dem anderen  Josef  aus  der  Bibelgeschichte  und  Maria  die den kleinen Jesus in eine Krippe im Stall legte und von den Hirten und Tieren …

Er erinnerte sich wieder daran, wie er vor Jahren mit dem Pastor zu eben diesem Jesus gebetet hat. Damals konnte er die Gnade nicht annehmen, zu frisch waren seine  Wunden.  Aber  jetzt  –  zum  ersten  Mal  fühlte  er eine Hoffnung in sich, und nicht nur diese erdrückende Schuld, sondern er spürte an diesem Abend etwas von dem Licht Gottes, das durch Jesus in diese Welt kam…

Gesegnete Weihnacht

Hier könnt Ihr gerne den Artikel als PDF downloaden…

Dieter Schneider

Baujahr 61, ist glücklich verheiratet und hat 4 Kinder. Als Familie lebt er in der Nähe des Bodensee’s. Er ist Leiter der Verwaltung Personal & Finanzen einer grösseren Unternehmensgruppe mit über 1000 Mitarbeitern in der Schweiz. Weitere Infos hier

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