Hast du Mitarbeiter oder Anwesende?


Was ist der Unterschied?

In einem Unternehmen gibt es immer Mitarbeiter und es gibt Anwesende ... Was ist der Unterschied? - Na ja, der Mitarbeiter arbeitet mit und der Anwesende, der ist halt nur anwesend - Du denkst: "Das ist aber jetzt etwas zu platt". Wahrscheinlich hast du Recht, aber wenn wir uns damit einmal tiefer beschäftigen, dann sehen wir, dass auch ein Stück Wahrheit daran ist...

Also - Es gibt Mitarbeitende die denken mit, sind aktiv mit dabei, erkennen eigenständig Probleme und sind gedanklich und kreativ an Lösungen interessiert.

Und die Anderen, die sind in einer Opfer- oder Konsumentenhaltung mit an Bord. Wenn ein Problem auftaucht warten sie erst mal ab, denn da wird schon von oben jemand kommen und mir sagen, was und wie ich das nun machen soll und bis das passiert, passiert erstmal nix.

Dabei handelt es sich nicht unbedingt um sogenannte "Non-Performer", sondern das sind durchaus Mitarbeitende die ihre Leistung abliefern, allerdings halt nur nach Vorschrift - das heißt, alles was links oder rechts außerhalb der Norm passiert, das ist erstmal egal... Dienst nach Vorschrift - Der Rest ist nicht meine Aufgabe...
Nun kommst du als Mitarbeitende und sagst, "Aber hallo - so wurde ich eben erzogen - ich soll doch nur Dienst nach Vorschrift machen - das selbstständige Denken wurde uns ausgetrieben..." - Ist das wirklich so?

 


Unser Schulsystem...

Das Problem beginnt nicht erst im Job, sondern eigentlich schon viel früher ... Wir schicken unsere Kinder in ein Schulsystem, das in der Regel diejenigen Kinder belohnt, die sich dem System anpassen. Ein System das noch als Relikt aus dem vorletzten Jahrhundert existiert - in der Industrialisierung wurden viele Mitarbeiter gebraucht, die einer Autorität Folge leisten und das, ohne zu hinterfragen. Dementsprechend wurde das System des preußischen Militärs als Schulsystem kopiert und die Kinder militärisch gedrillt zu "funktionieren" - erstmal stillsitzen und zuhören ...

Das hat sich nun schon etwas geändert und wurde hier und da angepasst - aber meiner Meinung nach, nicht ausreichend. Die grundlegende Systemachitektur der Schule funktioniert immer noch nach dem preußischen Original. Zusätzlich herrscht heute ein Berg an "Kultus-Bürokratie und Regelwerke" der das System zwar steuert und am Laufen hält, aber letztlich gute Ideen an den Schulen ausbremst oder erst gar nicht ermöglicht und auch nicht nach den Bedürfnissen der Kinder schaut. Die Welt ändert sich so schnell, aber das Schulsystem hinkt da hinterher - notwendige Veränderung kann dieses Regelwerk nicht einhalten und Kultusministerien sind nicht für ihre innovationsfähigkeit bekannt, um die Bürokratie einzudämmen und auf diese neue Situation anzupassen...

Kinder sollten sich ausprobieren dürfen und so ihre persönlichen Begabungen und Talente herausfinden. Kreativität und Eigeninitiative, vor allem die Begabungen der einzelnen Kinder, werden immer noch nicht gebührend berücksichtigt oder gefördert. Schwierige und auffällige Kinder werden vom System aussortiert und der Rest lernt: "Wer funktioniert, kommt gut durch das System und eckt nirgends an!"


Systemtreu oder unkontrollierbar!

Neue und motovierte Mitarbeitende haben noch "Flausen im Kopf", sie reden von all den Veränderungen und Ideen, die sie gerne einführen möchten... Doch die Kollegen denken nur: "Das treiben wir dem auch noch aus!" Und im Laufe der Zeit, passen sich alle diesen betrieblichen Gepflogenheiten an - frei nach dem Motto:

Wer nicht ins System passt, wird passend gemacht!

Und wenn wir mal ehrlich sind - Mitarbeitende die selbstständig denken und handeln die bringen so manche Chefs in Wallung - "Ja klar - Die sind doch unkontrollierbar, ein Risikofaktor, wo kommen wir denn da hin, wenn jeder nur noch das tut was er will! Und wer weiß was die dann machen wenn da mal ein Problem auftaucht!? Da ist es doch besser, man legt für jede Eventualität schon mal eine Lösung parat, damit die dann wissen was zu tun ist..." Mit dieser Einstellung habe ich vielleicht einige Probleme aufgefangen, jedoch schaffe ich damit bei meinen Angestellten das eigenständige Denken komplett ab, denn das ist ja nicht mehr notwendig, wenn alles vorgekaut wird.

Und diejenigen Mitarbeitenden die sich schon mal getraut haben eigene Entscheidungen zu treffen und dann danach vom Chef einen Einlauf kassiert haben, die werden in Zukunft viel vorsichtiger sein und dann eben keine Entscheidung mehr treffen, egal, auch wenn die Hütte brennt - denn dann machen sie zumindest keinen Fehler und bekommen auch keine auf den Deckel. Auch diese Mitarbeitenden werden auf kurz oder lang das Mitdenken einstellen - zumindest auf Arbeit...


Sinnfreie Bürokratie...

Und so gibt es im Laufe der Zeit im Unternehmen eine überbordende Anzahl an Regelwerken und Bürokratie. Oft ist es so - je größer die Firma, des so sinnbefreiter und ausufernder die interne Bürokratie mit Regelungen und Vorschriften. Wenn z.B. eine Regelung zur Benutzung des Kopiergerätes die Dimension eines Taschenbuches besitzt, und darin bis ins kleinste Detail geregelt ist, wie, wann und warum, welche Seiten farbig oder doch nur in s/w zu kopieren sind und wie genau eine privat gemachte Kopie schriftlich der Finanzbuchhaltung zu melden und über das Lohnbüro abzurechnen ist - uferlos !!
Ich hab sogar schon schriftliche Regelungen gesehen, über die Benutzung und Handhabung des Handlaufes im Treppenhaus - ungelogen, das gibts wirklich....


Komisches Menschenbild...

Ich frage mich immer, was für ein Menschenbild in diesen Firmen vorherrschen muss, um sich so einen Bullshit aus den Fingern zu saugen... In so einer Firma brauche ich mich wirklich nicht zu wundern, dass die Mitarbeiter früher oder später das Denken einstellen und nur noch Dienst nach Vorschrift machen, denn hier scheint das eigenständige Denken nicht erwünscht zu sein!
Oder aber, Mitarbeitende, die ihren Verstand nicht morgens an der Garderobe abgeben möchten, werden sich auf kurz oder lang einen neuen Arbeitgeber suchen...


Aber Die müssen doch beaufsichtigt werden...

Was man auch oft sieht, das ist Micromanagement - also wenn alles bis ins Kleinste kontrolliert und vorgegeben wird. Ich habe schon Einkäufer erlebt, die sich vom Mitarbeiter die abgespitzten Bleistifte zeigen ließen, ob sie auch kurz genug waren, um dann erst einen Neuen zu bestellen... So bleibt aber Vertrauen auf der Strecke, denn der Mitarbeitende erlebt, dass das Mitdenken und Kreativität bestraft wird. Das System wird so eng geschnürt, dass kein Spielraum für Eigeninitiative mehr über bleibt.

Allerdings, was die Meisten vergessen - in so einem System funktionieren die Vorgaben nur, solange die Aufsicht an Bord ist - denn ist der Chef erst mal aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch...


Aber wie gehts nun besser?

Wenn ich ein Unternehmen habe, das kreativ und innovativ unterwegs ist, dann suche ich doch genau nach solchen Mitarbeitenden, die sich aktiv einbringen und mit ihren Ideen und Entwicklungen die Zukunft meines Unternehmens, und auch deren Arbeitsplätze, absichert.

Aber wie kann ich nun meine Mitarbeitenden in diesem Prozess unterstützen? Wie kann ich ihnen ein Umfeld präsentieren, in dem sie mutig und kreativ neue Ideen entwickeln? Wie kann ich für mein Unternehmen eine innovative Arbeitsumgebung anbieten, damit sie eben nicht das Denken einstellen?

  1. Hör auf zu Micromanagen - nicht alles muß kontrolliert werden. Habe Vertrauensvorschuss, führe mit Zielen und kommuniziere deine Unternehmenswerte und Erwartungen. Kontrolliere deren Erreichung und Einhaltung, aber versuche nicht jeden einzelnen Schritt mitbestimmen zu wollen...
  2. Schau die interne Bürokratie mitsamt allen Regelwerken und Vorschriften im Betrieb an. Entledige dich von bürokratischem Schwachsinn und sinnbefreiten Regelungen. Auch hier gilt - Erkläre deine Motive, das Warum und den Nutzen und vertraue dann in den gesunden Menschenverstand.
  3. Schau die Fehlerkultur im Unternehmen an und arbeite daran - siehe diesen Artikel dazu - Wenn die Mitarbeitenden aus ihren Fehlern lernen, werden es danach bessere Entscheider...
  4. Rede mit den Leuten, viele bringen schon jahrelange, schlechte Erfahrungen aus früheren Arbeitsstellen, oder ihrer Ausbildung mit und trauen sich jetzt nichts mehr...
  5. Und Vorsicht - Denn nach spätestens 2 Jahren hat jeder die Angestellten die er verdient - Solche oder Solche - Die Entscheidung liegt bei Dir 😉 !

ZITAT ECKE:

Erziehung ist organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

(Mark Twain)

Es ist gefährlich, einen extrem fleißigen Bürokollegen einzustellen, weil die anderen Mitarbeiter ihm dann dauernd zuschauen.

(Henry Ford)

Ist der Chef nicht da, entscheidet der Stellvertreter. Ist der auch nicht da, entscheidet endlich der gesunde Menschenverstand.

(unbekannt)

Die Entwicklung der Mitarbeiter ist eine Entscheidung, die Sie als Chef treffen.

(Andre Dieckschulte)

Wer denkt, will nicht überredet, sondern überzeugt sein

(Victor Klemperer)

 


Wenn Du zu dem Thema Fragen hast, oder Inspiration und Gedankenaustausch suchst, oder einen Sparringspartner möchtest, ich helfe sehr gerne... Ich begleite und unterstütze kleine und mittlere Unternehmen (KMU's) bei der Herausforderung welches eine digitale und kulturelle Transformation mit sich bringt. Mein Leitsatz dabei ist stets:
Die Organisationsentwicklung muss dem Unternehmen wirtschaftlich UND menschlich Wachstum ermöglichen.
Lasst uns ganz unverbindlich ins Gespräch kommen - Sende einfach eine Mail und ich rufe zurück ...

Soweit für heute.

MACH DAS BESTE AUS DEINEM POTENTIAL

Be blessed



Dieter Schneider

Über den Autor:

Dieter Schneider Baujahr 61, ist glücklich verheiratet und hat 4 Kinder. Als Familie lebt er in der Nähe des Bodensee`s. Er ist Leiter von Verwaltung & Personal einer grösseren Unternehmensgruppe mit über 1000 Mitarbeitern in der Schweiz.

Weitere Infos gibts hier


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